Forschung

Wir bauen kein Spiel ins Blaue

Bevor FileQuest gestaltet wurde, haben wir untersucht, wer in der Verwaltung spielt, was motiviert und wie Beschäftigte zu Lernspielen stehen.

Was wir erforschen

Lernspiele im öffentlichen Sektor

Serious Games sind in Verwaltungen noch selten. FileQuest ist deshalb auch ein Forschungsprojekt, das wissenschaftlich von der Frankfurt University of Applied Sciences und der Hochschule Darmstadt begleitet wird.

  1. Zielgruppe: Welche Spielertypen sind in der öffentlichen Verwaltung besonders verbreitet?
  2. Akzeptanz: Wie stehen Beschäftigte zu Lernspielen, und hängt das mit ihrer Spielmotivation zusammen?
  3. Spieldesign: Welche Spielelemente passen zu dieser Zielgruppe und welche eher nicht?
  4. Lernwirkung & Übertragbarkeit: Hilft das Spiel beim Erlernen der Ablageregeln, und lässt sich der Ansatz auf andere Kommunen und Bereiche übertragen? Das untersuchen wir mit dem fertigen Spiel.
Zielgruppenforschung

Ausgiebig befragt, bevor wir gestalten

Wir haben Beschäftigte zweier hessischer Landkreise vollständig befragt: den Landkreis Groß-Gerau und den Lahn-Dill-Kreis. Die Online-Befragung lief von Februar bis Mai 2026.

600+gültige Antworten
2Landkreise, Vollerhebung
~23 %Rücklaufquote
24Items zu Spielertypen (HEXAD)

Wie wir geforscht haben

Wir nutzen das HEXAD-Modell, das Spielende nach ihrer Motivation in sechs Typen einteilt. Wir haben die deutsche Skala an den Arbeitskontext angepasst und die Haltung zu Lernspielen mit einer eigenen Skala erfasst. Ausgewertet wurde mit deskriptiver Statistik, Faktorenanalyse und Regression.

Was wir herausgefunden haben

Durchschnittliche Verteilung der Spielertypen in der Stichprobe:

Ergebnisse in Kürze

Was das für das Spiel bedeutet

🤲 Gemeinwohl und Fortschritt motivieren

Philanthropisten und Achiever sind besonders stark vertreten. Beschäftigte wollen, dass ihre Arbeit etwas Gutes bewirkt, und sie wollen Fortschritt sehen.

🏅 Punkte allein tragen nicht

Der extrinsisch motivierte „Player“-Typ ist am schwächsten vertreten. Das Spiel setzt deshalb nicht nur auf Punkte und Ranglisten, sondern auf Story, Zusammenarbeit und Sinn.

🧐 Offen, aber nicht euphorisch

Die Haltung zu Lernspielen liegt im Mittel bei 3,33 von 5. Die meisten lehnen sie nicht ab, sind aber noch nicht überzeugt. Genau deshalb muss das Spiel überzeugend gemacht sein.

👥 Für alle Gruppen gedacht

Alter, Geschlecht und Führungsverantwortung beeinflussen die Haltung zum Lernspiel nicht signifikant. Jüngere Beschäftigte neigen aber eher zum Player-Typ.

Die Zahlen stammen aus unserem Working Paper (Entwurfsstand 2026). Die Ergebnisse beruhen auf einer Querschnittsbefragung und zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Zu den Einschränkungen zählen Selbstselektion und ein im Vergleich zur Belegschaft höherer Frauenanteil in der Stichprobe.

Publikation

Vorgestellt auf der EGPA 2026

Konferenzbeitrag · Working Paper

Targeting the audience right – Identifying prevalent Gamer Motivations in the Public Sector

Tobias Krause (Frankfurt University of Applied Sciences), Stefanie Winter (Hochschule Darmstadt), Stephan Jacob (Hochschule Darmstadt), Nico Gießmann (Universität zu Lübeck)

EGPA Conference 2026, Permanent Study Group 09 „Education and Training in Public Administration and Public Policies“, Rom, August 2026.

Der Beitrag baut auf einer Vorstudie von Gießmann et al. (2026) mit 231 Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung in Deutschland auf.

Wie es weitergeht

Vom Paper zum Praxistest

Zielgruppe verstehenBefragung und Auswertung ✓
Design ableitenSpielertypen in Story und Minigames übersetzen
Prototypen testenPoint-and-Click und Swiping sind spielbar
Mit Pilotkommunen erprobenAlpha und Beta 2026/27
Ergebnisse teilenErkenntnisse für andere Vorhaben